Blasse Texte, austauschbare Bilder: Wer KI zum ersten Mal für die eigene Büroarbeit nutzt, ist meist enttäuscht. Der Grund ist bei Text- und Bildgestaltung derselbe: Es fehlt der Kontext.

Der Ablauf ist erstaunlich gleichförmig: Jemand probiert zum ersten Mal aus, einen Text von einer KI schreiben zu lassen – eine Ankündigung, ein Protokoll, ein heikles E-Mail. Was zurückkommt, ist grammatikalisch tadellos und gut gegliedert, aber vollkommen blass. Es klingt nach niemandem. Formulierungen wie „in der heutigen schnelllebigen Zeit“ tauchen auf, die im eigenen Haus nie jemand schreiben würde.

Beim Bild dasselbe Muster: Angefragt wird ein Motiv für die nächste Präsentation, geliefert wird eine glatte, freundliche Szene, die aussieht wie tausend andere. Technisch sauber, inhaltlich beliebig.

Der Schluss daraus liegt nahe und ist trotzdem falsch: „Für meine Arbeit taugt das nicht." Denn die Ursache liegt selten am Werkzeug.

 

Woran es tatsächlich liegt

Ein KI-Modell kennt Ihr Unternehmen nicht. Es weiß nichts über Ihre Kundschaft, Ihre Projekte, Ihre Gepflogenheiten, und auch nichts darüber, wie in Ihrem Haus üblicherweise geschrieben wird. Wenn es keine Informationen darüber bekommt, tut es das Einzige, was ihm bleibt: Es erzeugt den Durchschnitt aus allem, was es je gesehen hat. Und der Durchschnitt ist definitionsgemäß unspezifisch.

In einem kontrollierten Experiment mit 444 Berufstätigen wurden diejenigen befragt, die die Technologie nach dem Ausprobieren im eigenen Job nicht weiter nutzten. Sie nannten fast durchgehend denselben Grund: Dem Werkzeug fehle das spezifische Wissen über den eigenen Betrieb. Ihr Schreiben sei eng auf die Kunden zugeschnitten oder beziehe aktuelle Informationen ein, die der Chatbot nicht kennen könne. (Noy & Zhang, 2023)

Damit ist die Aufgabe umrissen. Es geht weniger darum, die Anfrage an die KI geschickter zu formulieren, als darum, dem Werkzeug Kontext mitzugeben – also all das, was in Ihrem Kopf selbstverständlich ist und im Auftrag deshalb regelmäßig fehlt:

  • Anlass und Ziel: Warum entsteht dieser Text, dieses Bild – und was soll danach damit geschehen?
  • Adressaten: Wer liest oder sieht das, und was weiß diese Person bereits?
  • Eigene Gepflogenheiten: Hausstil, Sprachregelungen, Farben, Formulierungen, die bei Ihnen üblich oder unerwünscht sind.
  • Fachliches Material: Zahlen, Mitschriften, Vorlagen, frühere Fassungen
  • Rahmenbedingungen: Länge, Format, Frist, Kanal

Je mehr davon durch Ihren Prompt mitgeliefert wird, desto weniger muss das Modell raten – und desto weniger durchschnittlich fällt das Ergebnis aus. Dieser Zusammenhang gilt für Text und Bild in gleicher Weise, nur mit unterschiedlichen Mitteln.

 

Wie bringe ich die KI dazu, bessere Texte zu schreiben?

 

Geben Sie ein Muster mit

Der wirksamste und zugleich am wenigsten bekannte Handgriff: Legen Sie zwei oder drei eigene Texte bei – ein früheres Protokoll, ein altes Rundmail, einen Bericht, mit dem Sie zufrieden waren. Und bitten Sie darum, den neuen Text in diesem Stil zu verfassen.

Der Unterschied ist unmittelbar spürbar. Satzlängen, Anrede, Höflichkeitsformeln, der Grad an Direktheit – all das übernimmt das Modell erstaunlich zuverlässig, wenn es ein Beispiel hat. Die häufigste Beschwerde von Einsteigern, „das klingt nicht nach mir", ist damit weitgehend erledigt.

 

Sagen Sie, wofür und für wen das ist

Ein Auftrag ohne Adressaten führt zu einem Text ohne Adressaten. Hilfreich ist eine kurze Rahmung, die in einem Satz Platz findet:

  • Für wen? Vorgesetzte, Team, Kundschaft, Behörde – das ändert alles
  • Wozu? Informieren, überzeugen, absagen, dokumentieren
  • Wie lang? „Eine halbe Seite“ ist etwas anderes als „drei Absätze“.
  • Was auf keinen Fall? Zusagen, Zahlen, Namen, die nicht vorkommen dürfen.

 

Arbeiten Sie mit Rohmaterial statt aus dem Nichts

Am stärksten ist die Technik nicht beim Erfinden, sondern beim Umformen. Aus einer unsortierten Mitschrift ein Protokoll machen. Aus Stichpunkten einen Absatz. Aus einem langen Bericht eine Zusammenfassung für die Leitung. In all diesen Fällen liefern Sie den Inhalt – und genau dort fällt das Ergebnis am wenigsten beliebig aus.

Nebenbei verschiebt sich dadurch die eigentliche Arbeit. Was wegfällt, ist der Rohentwurf, also das leere Blatt. Was bleibt, ist das Beurteilen: Stimmt das? Ist der Ton richtig? Fehlt etwas? Diese Prüfung nimmt Ihnen niemand ab, und sie ist auch der Punkt, an dem Ihre Berufserfahrung zählt.

 

Wie kann ich die Bildgestaltung mit KI verbessern?

 

Derselbe Fehler in anderer Form

„Ein schönes Bild für die Präsentation" ist die Bildversion eines Auftrags ohne Inhalt. Dabei kommt zwangsläufig die bildgewordene Mitte heraus: lächelnde Menschen an einem hellen Konferenztisch, wie man sie aus jeder Bilddatenbank kennt.

Beschreiben Sie die Szene, nicht die Stimmung
Brauchbare Bildaufträge klingen konkret und fast nüchtern. Nützlich sind vier Angaben:

  • Was soll zu sehen sein? Gegenstände, Personen, Ort, Handlung
  • Aus welcher Perspektive? Nahaufnahme, Übersicht, Blickwinkel
  • In welcher Anmutung? Fotografisch, illustriert, schematisch, farblich zurückhaltend
  • In welchem Format? Querformat für die Folie, Hochformat für den Aushang

Ein Beispiel für den Unterschied: Statt „Bild zum Thema Teamarbeit" etwa „Illustration in gedeckten Farben: vier Personen stehen um einen Tisch mit einem großen Papierplan, Draufsicht, Querformat".

 

Was inzwischen geht und vor Kurzem noch nicht ging

Lange war Schrift die größte Schwäche der Bildgeneratoren – wer Text im Bild wollte, bekam Buchstabensalat. Das hat sich inzwischen geändert: Bei den leistungsfähigeren Modellen ist lesbare Typografie inzwischen das Merkmal, mit dem sie sich vom Rest unterscheiden. Damit wird eine Reihe von Dingen machbar, die vorher ohne Gestaltungsprogramm außer Reichweite lagen – ein beschriftetes Schema, ein einfaches Plakat, eine Titelgrafik.

Der zweite Fortschritt betrifft die Arbeitsweise. Man muss nicht mehr blind neu würfeln, bis zufällig etwas Passendes erscheint, sondern kann gezielt einzelne Bildbereiche ändern lassen. Das erste Ergebnis ist also ein Ausgangspunkt, kein Urteil.

 

Zwei Dinge, die Sie im Blick behalten sollten

Bei Bildern, die eine Wirklichkeit behaupten, ist Vorsicht angebracht – etwa vermeintliche Aufnahmen von Kundinnen, Mitarbeitenden, Firmenräumen oder Veranstaltungen. Unkritisch sind dagegen Schemata, Diagramme und erkennbare Illustrationen, die keine reale Situation vortäuschen. Und wenn ein Bild nach außen geht, lohnt ein Blick auf die im Haus geltenden Regeln zu Kennzeichnung und Rechten.

 

Das Prinzip hinter beidem: Kontext

Ob Text oder Bild – die Qualität hängt weit weniger davon ab, wie geschickt die Anfrage formuliert ist, als davon, wie viel Kontext Sie mitbringen: ein Beispiel Ihres Stils, den Anlass, die Zielgruppe, das Rohmaterial, eine konkrete Vorstellung vom Motiv.

Anders gesagt: Sie müssen nicht schreiben können wie eine Texterin und nicht zeichnen können wie ein Grafiker. Sie müssen beschreiben können, was Sie wollen – und beurteilen, ob das Ergebnis stimmt. Beides können die meisten Berufstätigen längst. Es kommt nur selten jemand auf die Idee, dass genau darin die entscheidende Fähigkeit im Umgang mit KI besteht.

 

Literaturtipp

Noy, S., & Zhang, W. (2023). Experimental evidence on the productivity effects of generative artificial intelligence [Working Paper]. SSRN. https://ssrn.com/abstract=4375283

 

Autorin: Kerstin Vogel

Seminartipp! Text- und Bildgestaltung mit KI