Prozessanalyse ist mehr als Optimierung: Sie eignet sich für Einstieg, Einschulung und Teambuilding. Sinnstiftend eingesetzt, fördert sie Eigenmotivation, Transparenz und Prozessverständnis – und verbessert Kommunikation und Kooperation mit Spaß.

Neu im Team – und die Abläufe sind ein Rätsel

Sie starten als Führungskraft in einer neuen Abteilung. Die Erwartungen sind klar: Orientierung geben, Ziele setzen, Ergebnisse liefern. Doch die Realität sieht oft anders aus:

  • Prozesse sind historisch gewachsen und nicht dokumentiert.
  • Übergabe und Einschulung fehlen oder sind lückenhaft.
  • Jeder arbeitet „wie immer“.

Die Folge: Verzögerungen, Doppelarbeit, Unsicherheit im Team. Und Sie? Statt Strategie und Führung dominieren administrative Fragen.

Die Lösung: Nutzen Sie Prozessanalyse als Werkzeug, um Abläufe zu verstehen, das Team kennenzulernen und gemeinsam Verbesserungen anzustoßen.

 

Prozessanalyse als Teambuilding – so funktioniert’s

Prozessanalyse ist kein trockenes Audit, sondern kann als interaktive Maßnahme gestaltet werden. Methoden wie Makigami, Swimlane oder SIPOC machen Abläufe sichtbar und schaffen Raum für Austausch.

Praxisbeispiel:
Sie wollen den Genehmigungsprozess für Budgetanträge verstehen. Statt alleine das QM-System zu durchforsten, holen Sie das Team an einen Tisch:

  • Jeder beschreibt seine Schritte und Schnittstellen.
  • Gemeinsam visualisieren Sie den Ablauf – Rollen, Dokumente, Systeme.
  • Probleme, Wartezeiten und Risiken werden markiert

Effekt:

  • Sie lernen die Abläufe und die Menschen dahinter kennen.
  • Das Team fühlt sich gehört und wertgeschätzt.
  • Erste Quick Wins entstehen direkt im Workshop.
     

Warum Prozessanalyse mehr ist als Prozessoptimierung

Prozessanalyse in der Gruppe wirkt wie ein Teambuilding-Event:

  • Transparenz: Alle sehen den Gesamtprozess, nicht nur ihren Ausschnitt.
  • Wertschätzung: Jeder Beitrag zählt – Expertise wird sichtbar.
  • Vertrauen: Offene Diskussion über Probleme und Lösungen.

Und das Beste: Sie setzen damit die Marschrichtung für Ihre Führungsarbeit – klar, strukturiert und partizipativ.

 

Prozessanalyse-Tools – Ihr Steuerungsinstrument

  • Priorisieren: Mit Methoden wie ICE-Index oder Pareto erkennen Sie die größten Hebel.
  • Aufzeichnen: Makigami, Swimlane oder SIPOC visualisieren Abläufe und Schnittstellen.
  • Gestalten: Standards setzen, um Klarheit und Vergleichbarkeit zu schaffen.
  • Verbessern: Lean & Kaizen für kontinuierliche Optimierung.
     

Digitalisierung – aber richtig

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Bevor Tools eingeführt werden, müssen Prozesse klar definiert sein:

  • Was ist der Input, was der Output?
  • Welche Schritte sind notwendig – und welche überflüssig?
  • Wo entstehen Medienbrüche und Wartezeiten?

Erst dann lohnt sich der Einsatz von Lösungen wie:

  • Dokumentenmanagement-Systeme
  • Automatisierte Genehmigungs-Workflows
  • KI-gestützte OCR für Rechnungsverarbeitung
     

Grundsatz: Nicht „Tool-Wildwuchs“, sondern gezielte Digitalisierung für mehr Transparenz und weniger Verschwendung.

 

Fazit: Führung beginnt mit Klarheit

Als neue Führungskraft haben Sie die Chance, frischen Wind in die Organisation zu bringen. Prozessanalyse ist Ihr Schlüssel – für klare Abläufe, motivierte Teams und eine Kultur der Zusammenarbeit.

Nutzen Sie sie als Steuerungswerkzeug, Teambuilding-Maßnahme und Einstieg in eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung.

 

Autorin: DI Dr. Eva Becker

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