Wissen Sie noch, wie Ihr erster Tag in Ihrer heutigen Organisation war? Wahrscheinlich ja. Wir alle wissen es noch. Der erste Arbeitstag brennt sich ein – emotional und bleibend. Er ist der Moment, in dem die Frage „War das der richtige Schritt?“ entweder mit einem erleichterten „Ja“ oder einem besorgten „Oje“ beantwortet wird.

In Zeiten des Fachkräftemangels können wir uns das „Oje“ nicht mehr leisten. Während Führungskräfte den ersten Tag einer neuen Mitarbeiterin oft nur als „einen weiteren Termin“ in ihrem vollen Kalender sehen, ist es für die Neueinsteiger der wichtigste Tag des Jahres. Wer hier patzt, legt den Grundstein für die Kündigung nach der Probezeit.

 

Die drei Todsünden beim Onboarding

Wenn Sie Mitarbeiter:innen langfristig binden wollen, vermeiden Sie diese drei Klassiker des Scheiterns:

 

1. Der „Wer-sind-Sie-Effekt“

Die neue Kraft steht beim Portier oder vor Ihrem Zimmer, und niemand weiß Bescheid. Warten ist die erste Erfahrung im neuen Job. Die Botschaft: „Du bist uns eigentlich egal.“ Wer sich am ersten Tag verloren vorkommt, fängt innerlich oft schon wieder an, die Jobportale zu beobachten.

 

2. Die „Möbelpacker-Mentalität“

Kein Arbeitsplatz, kein Laptop, kein Zugang zum System. Der Neue muss sich seine Ausstattung selbst zusammenbetteln. Das signalisiert mangelnde Professionalität und fehlende Wertschätzung. Sie lassen wertvolle Motivation verpuffen, wenn die neue Fachkraft erst einmal zum Bittsteller für Basisausstattung degradiert wird.

 

3. Die „Geheimoperation“

Das Team wurde nicht informiert. Die Kolleg:innen reagieren skeptisch oder haben Angst ersetzt zu werden. Statt Willkommenskultur gibt es eisiges Schweigen oder Abwehr. Damit produzieren Sie unnötige Widerstände im Team, die Sie später mühsam in Einzelgesprächen wieder glätten müssen.

 

Drei Schritte für einen begeisternden Start

 

Schritt 1: Abholen statt suchen lassen

Sorgen Sie dafür, dass die Person am Eingang abgeholt wird. Sofort. Ein freundliches Gespräch auf Augenhöhe ist wichtiger als jedes Formular. Es muss nicht immer der Chef sein – eine gut instruierte, herzliche Kollegin als „Buddy“ wirkt oft Wunder.

 

Schritt 2: Orientierung vor Detail-Wissen

Überfordern Sie niemanden mit fachlichen Details am ersten Vormittag. Geben Sie stattdessen Orientierung: Sprechen Sie über die Zusammenarbeit im Team, führen Sie durch das Haus, lassen Sie die Atmosphäre spüren. Es geht um den ersten Eindruck, nicht um die erste Einschulung.

 

Schritt 3: Der Fahrplan für das Ankommen

Geben Sie der neuen Person Sicherheit durch Struktur. Präsentieren Sie einen Plan für die erste Woche: Wer sind die Ansprechpartner:innen? Wann findet welche Einführung statt? Welche Meetings sind fix? Nichts ist schlimmer als ein neuer Mitarbeitender, der am Nachmittag des ersten Tages fragt: „Und was soll ich jetzt tun?“

 

Fazit

Mitarbeiter:innen bleiben dort, wo sie sich willkommen und wirksam fühlen. Onboarding ist kein administrativer Akt, sondern eine zentrale Führungsaufgabe. Wer hier Zeit investiert, spart sich später die mühsame und teure Nachbesetzung. Ein strukturiertes Onboarding ist dabei Ihre wichtigste Strategie zur Selbstentlastung. Je schneller die neuen Mitarbeiter:innen emotional und fachlich ankommen, desto früher gewinnen Sie selbst wieder den nötigen Freiraum für Ihre Aufgaben.

 

Autor: Alfred Faustenhammer

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